04.08.02018

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Es stehen gerade zwei Kunden (ein Pärchen) vor der Theke, ein weitere Kunde blättert vorne die LPs durch, es ist etwa 14.00 Uhr.

Wegen der aktuellen Temperaturen – es hat seit mehr als einer Woche tagsüber permanent eine Ecke mehr als 30° draußen – steht die Tür ausnahmsweise nicht offen, dadurch wird es etwa 2-3 Grad kühler im Raum, aber die Luft steht, an einem eher ruhigen Samstag wie heute, ist das aber nicht so schlimm wie die Hitze.

Ich unterhalte mich mit dem Pärchen, da rumpelt es an der Tür, wir schauen alle hin; da steht ein junger Mann, wohl so um die 18 Jahre herum und die Tür klemmt anscheinend ein wenig, weshalb sie nicht gleich aufgeht. Das passiert immer mal wieder und irgendwie passt das natürlich zu dem irgendwo antiquierten und anachronistischen Ladenkonzept, das ich pflege, aber wenn die Leute Augenkontakt mit mir aufnehmen – und auch das gehört zu meinem Ladenkonzept, dass die Kunden bereit sind mit mir Kontakt aufzunehmen – signalisiere ich normalerweise mit einer Armbewegung „Kräftig drücken“. Leider schaut der junge Mann aber nicht zu mir her und seine Freundin, die hinter ihm steht, auch nicht wirklich. Sie guckt zwar auf die Glastür, scheint aber nicht wirklich hindurch zu schauen, sonst würde sie ihm sicher sagen „Hey, da sind aber Leute drin“. Er guckt derweil auf das Schild mit den Öffnungszeiten und nicht in den Laden zu mir. Und was immer er da liest – da steht samstags bis 16.00 Uhr geöffnet – er schaut nicht wieder zur Tür und versucht es eventuell nochmal oder sieht mich drinnen, bereit ihm zu signalisieren, er muss härter drücken; nein, er dreht bei und geht mit seiner Freundin seiner Wege.

Ich sage in die Runde, die das ebenfalls beobachtet hat: „Also wer schon an der Tür scheitert, bringt’s erfahrungsgemäß sowieso nicht weit hier!“ was mir ein paar Lacher einbringt und die Stimmung weiter lockert. Nicht dass das notwendig wäre, die beiden sind mittlerweile langjährige Kunden. Nach einer kurzen Pause fragt die Frau dann

„Und? Willst Du Deiner potentiellen Kundschaft nicht hinterherlaufen?“

Da er der Plattenkäufer bei den beiden ist und sie ihn eigentlich immer nur begleitet und wenig sagt, kann ich sie nicht ausreichend einschätzen, ob sie das ernst oder ironisch meint, sie ist definitiv intelligent, aber das muss ja nicht heißen, dass sie zu Ironie neigt, darum antworte mal unverfänglich „Ich hoffe, ihr müsst nie mit ansehen, dass ich Kunden, die die Tür nicht aufkriegen und dann obwohl der Laden voller Leute steht und offizielle Öffnungszeit ist, weggehen, hinterherlaufen muss!“

Ja, verdammt, und so etwas in der Art hoffe ich jetzt seit über 25 1/2 Jahren und irgendwie ist es immer gut gegangen, das macht mir manchmal etwas Angst, dass ich mich zu sehr daran gewöhne, aber die meiste Zeit kann ich damit gut leben

Ja, Torben Stein, wenn Du das noch liest, siehst Du Dich wieder bestätigt, ich kann nicht aus meiner arroganten, alten, eingebildeten, verbitterten, geldhungrigen (hab ich was vergessen, Torben?) Haut heraus! Aber Du kannst mich nur einmal negativ bei Google bewerten, darum kann ich das jetzt ungehemmt ausleben!
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