Brother, can you spare a Dime

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Ich habe ja im Laden, den ich seit demnächst 25 Jahren führe, eine Playlist laufen und die läuft zumeist im Zufallsmodus und so wollte es der Zufall heute mal wieder, dass „Brother, can you spare a dime“ von Spanky & our Gang lief. Elaine „Spanky“ McFarlane und ihre Truppe waren je nach Quelle eine Folk-Rock-Band oder eine Sunshine-Pop-Band und heute erinnert man sich in Deutschland wohl höchstens noch an ihren Top-Ten Hit „Sunday will never be the same„, eine großartige Harmony-Pop-Nummer mit mehrstimmige Gesang, wie ich ihn halt liebe. Aber streng betrachtet ist das trotz des großartigen Gesangs natürlich nur wenig mehr als eine Nummer wie sie im Summer of Love einfach ein Hit werden musste, als Bands wie die „The Mamas and the Papas„, „The Association„, „The Cowsills“  oder „The Turtles“ große und „Sagittarius“ kleinere Hits mit vielstimmigem Gesang feierten.

Die Spanky & our Gang-Version von „Brother, can you spare me a dime“ – ich würde stark vermuten, dass sie von der 1965 veröffentlichten Interpretation von Peter,Paul & Mary inspiriert wurde, man vergleiche die Betonungen im Gesang – ist aber weit mehr als nur simpler Pop mit mehrstimmigem Gesang, der Song wurde ursprünglich im Amerika der Dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts geschrieben und handelt von der Undankbarkeit der Gesellschaft gegenüber denen, die nachdem Sie geholfen haben die Nation als Bauarbeiter oder auch Soldaten aufzubauen zur Zeit der damaligen Depression ihr Leben in Armut fristen mussten. Ein zeitloses Thema, weswegen der Titel bis heute immer wieder gecovert wird, die letzte bekanntere Version dürfte die von George Michael gewesen sein. Und so gut die gesanglich auch sein mag, sie erreicht die Intensität von Spanky McFarlane einfach nicht. Auch  Bing Crosby und Rudy Valee (beide ca 1932 die ersten bekannteren Interpretationen) erreichen das nicht, Spanky und Arrangeur Joe Renzetti (später ein Oscar-prämierter Filmmusikkomponist) greifen dem Hörer ins Herz, die Trompeten und Spankys Stimme klagen ohne dabei jämmerlich zu werden, es klingt immer auch je nach Anlass auch ein bisschen Stolz (erste Strophe) oder Trotz (am Ende) mit.

Spanky McFarlane hat die Erfolge der späten 60er nie wiederholen können, ersetzte bei Reunion-Tourneen Mama Cass bei „The Mamas & the Papas“, aber nur mit „Brother, an you spare me a dime“ hat sie einst wirklich demonstriert, dass sie eine der ganz großen Sängerinnen ihrer Zeit war.

P.S.: Die Version der „The St. Valentine’s Day Massacre“ (= „The Artwoods“) um Art Wood, John Lord und Keef Hartley war zugegeben neben der Spanky-Version eine der ersten, die ich je gehört habe, ist aber natürlich einfach eine zugegeben coole Freakbeat-Nummer, die dem Text aber nicht wirklich gerecht wird. Und auch Tom Waits erreicht mich nicht, weil er wie oft nach einem betrunkenen Penner ohne jeglichen verbliebenen Rest von Stolz klingt. Interessanter ist da noch diese mir bis dato unbekannte Version eines Mandy Patinkin, die ein wenig klamaukig startet und das Publikum damit vollkommen in die falsche Richtung lenkt, bevor der Mann zum Ende richtig Furor in seine Interpretation packt. Die alle nur als Fußnote, man kann zahlreiche weitere Interpretationen finden.

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