Gelöste Fragen (I)

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Eine Kundin kommt rein, eine recht große, eigentlich ganz süße mit langen, lockigen Haaren, schlank, Karohemd, vielleicht Anfang zwanzig. Sie sagt mit einem Lächeln

„Hallo, haben Sie die Tickets für MaiWay?“

Ich hinter der Theke : „Die Bändchen?! Ja“

„Was kosten die?“

„Eins 12 Euro“ antworte ich, drehe mich nach den Bändchen um, denn kaufen tun sie letztlich alle, worauf sie mich mit der Bemerkung

„Und drei?“ leicht schockiert. Ich drehe mich mit wohl leicht ungläubigem Gesicht wieder zu ihr um, aber sie lacht so verlegen, wie es nur junge Frauen können und nachdem ich noch einen Moment verstreichen lasse und merke, dass ihr das zwar unangenehm ist, sie aber die Antwort wohl warum auch immer nicht auf die schnelle rauskriegt, denn sie wirkt eigentlich nicht dumm – und ja, das ist vielleicht ein Vorurteil, dass ich hübsche Frauen, die nicht zu verkrampft wirken, generell für schlau halte –  entspanne ich die Situation mit „Sechsundreissig“. Ja, wäre ich 30 Jahre jünger und spontaner hätte ich vielleicht „Sechs mal Sex“ geantwortet, aber das würde nur beweisen, dass ich auch 30 Jahre unerfahrener wäre, denn wenn man wie ich so ein Geschäft seit fast 25 Jahren betreibt, wird man diplomatischer und hat gelernt, dass solche anzügliche Bemerkungen nur ganz selten dazu führen, Kundinnen in welcher Form auch immer zu binden. Im besten Fall gucken Sie einem verständnislos an, weil sie die Zweideutigkeit nicht bemerken und denken, man macht sich über sie lustig. Und die, die die Zweideutigkeit verstehen, finden sie zu 99% nicht lustig. (Und die, die sie lustig fänden, ja, zu denen willst Du keine anzüglichen  Bemerkungen machen, weil die schon nach länger andauerndem Drogenabusus aussehen.)

Sie lacht leicht nervös und sagt „Ah gut“ und hantiert mit dem Geld in ihrer Hand, in der ich mindestens einen Zwanziger erkenne.

Während ich die 3 Bändchen von dem 10er-Bogen abreiße, frage ich noch, ob sie auch Programme braucht, braucht sie nicht und legt mit zwei zwanzig Euro Scheine auf den Tisch, während ich ihr die Bändchen hinlege.

Ich zähle das Wechselgeld aus meiner Kasse und während ich es noch verdeckt in meiner Hand halte, sage ich beiläufig

„Ich könnte ja jetzt gemein sein und fragen: ‚und wieviel gibt’s zurück?'“

Das ist schon die etwas gewagte Kundenbehandlung, aber manchmal muss es eben auch raus und sie nimmt es mit Humor, nach einer kurzen Schrecksekunde kommt mit einem diesem leicht verlegenen Lachen, dem wohl kaum ein Mann etwas entgegenzusetzen hat, „Vier“ und genau so viel drücke ich ihr dann auch in die Hand. Das kontrolliert sie auch gar nicht, sondern geht mit einem verlegene Lachen wieder.

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