Der Depp des Tages (12.04.)

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Ich muss vorausschicken, mein Tag fing nicht sonderlich gut an, vielleicht war ich etwas übersensibel, aber ich finde halt auch grundsätzlich Typen, die ewig in der Tür stehen und dann nicht reinkommen, einfach nervig.

Der Laden ist noch nicht lange offen, wegen des schönen Wetters steht die Tür offen, da steht er, grauhaarig, bärtig, geschätzt Anfang sechzig im Trainingshosen-Schlabberlook und einer Mütze, wie man sie in Norddeutschland häufiger sieht, mit leicht rötlichem Gesicht, wodurch er mich dann letztlich an einen dem Rum zugetanen Matrosen erinnert,  draußen vor der Tür, noch auf dem Bürgersteig, schaut rechts , schaut links, aber nie zu mir her und nach ein paar Verrenkungen, um in den Laden hinein zu schauen, steigt er dann die Stufe in meinen Ladeneingang hoch und ich erwarte, dass er jetzt auch die etwas zurückgesetzte Tür durchschreitet, aber er bleibt erst stehen und betrachtet das Öffnungszeitenschild. Danach dann das Plakat, das in der nach innen geöffneten Tür hängt. Und als er damit fertig ist, versucht er über das Plakat durch die Tür an der von ihm aus rechten Wand etwas zu erkennen; es ist zu sehen, wie er die Augen zusammenkneift, aber er überschreitet immer noch nicht die Türschwelle und da muss es dann raus.

„Sagen Sie mal, wenn Sie sich doch nicht rein trauen, dann gehen Sie doch einfach weiter und stehen hier nicht ewig blöd in der Tür ‚rum!“

Er schaut mich etwas irritiert an, kramt in seinen Schlabberhosentaschen, holt ein ganzes Bündel gebrauchter Papiertaschentücher heraus und geht dann tatsächlich den Schritt in den Laden hinein, schaut mich an und meint „Warum sollte ich mich nicht hier rein trauen?“ während eine der Rotzfahnen draußen vor der Tür noch auf den Boden fällt.

„Keine Ahnung, aber sie stehen jetzt schon eine Minute in der Tür und machen alle möglichen Verrenkungen, um hier reinzugucken, aber stehen halt immer noch draußen vor der offenen Tür, also nehme ich an, sie trauen sich hier nicht rein! Und jetzt schmeißen Sie hier noch ihre gebrauchten Taschentücher ‚rum“ Mein Tonfall ist schon genervt wegen der Rotzfahne, aber er beugt sich runter, um das Taschentuch mit der einen Hand aufzuheben, wobei ihm ein anderes aus der anderen mit zerknüllten Taschentüchern  überfüllten Hand fällt. Aber er hat bei der Aktion reichlich Mut gesammelt, sein Gesicht ist eine Spur röter während er erwidert „Warum sollte ich denn Angst haben vor so einem einzelnen Männchen? Ich hab schon auf großen Bühnen gestanden, da hab ich doch keine Angst vor einem wie Dir!“

Ich schau ihn wohl etwas verwundert an, komme aber zu keiner Antwort mehr, weil er kehrt macht und zeternd davonschleicht, das verrotzte Tachentuch liegt natürlich noch im Eingangsbreich und meine Antwort „Tja, auf den großen Bühnen gibt’s halt meist kein so kritisches Publikum wie mich“ bleibt nur gedacht.

 

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