Ein kleiner Glücksmoment!

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Als ich vor etwas mehr als 24 Jahren mit meinem damaligen Geschäftspartner mein erstes CD-Geschäft eröffnete, war ich halb so alt wie heute und wir hatten beide diese Vision einen coolen Plattenladen zu führen, in dem wir überwiegend coole Musik verkaufen und keinen Mist, wie er schon damals die Charts bevölkerte (Ihr erinnert Euch an Modern Talking? Oder den ganzen Mist der späten 80er?).

Ja, ich gebe zu, dieser Idealismus wich damals recht schnell dem Pragmatismus, dass man auch Geld verdienen muss und auch – und das ist mir wichtig – einer Einstellung, dass ich eben kein Musikdiktator sondern ein Dienstleister bin und ich meine Kunden nicht gut bediene, indem ich Ihnen erkläre, was gute Musik ist, sondern Ihnen das verkaufe, was sie (hoffentlich) glücklich macht. Besonders prägend war da dieser Moment, in dem ein kleines Mädchen, das kaum über die Theke schauen konnte, mich fragte, ob ich denn die neue Maxi von der Kelly Family da hätte und wie seine Augen strahlten, als sie die dann in der Hand  hielt, während die Mutter das Ding bezahlte. Seit diesem Tag sind sogar beinharte Modern Talking Fans in der Musikgarage davor sicher, dass ich irgendeine Bemerkung über deren Musik verliere, so lange sich der Kunde einfach nur nicht daneben benimmt.

Und so läuft mein Geschäft auch in schwierigen Zeiten seit inzwischen mehr als 24 Jahren immer noch, auch wenn es nicht zu allen Zeiten der Laden war, den ich vor 24 Jahren einmal aufmachen wollte, eben weil ich viel kommerziellen Mist verkaufte. Aber ich bin in all den Jahren auch ein, wie ich meine, richtig guter Verkäufer geworden, keiner von denen, die Leuten etwas aufschwätzen, sondern einer, der dem Kunden das Gefühl geben kann, dass das was er kauft oder kaufen will, auch richtig für ihn ist, ihn vielleicht sogar glücklich machen kann. Und auch ich bin glücklich, dass dieses Experiment, dem viele Leute 1992 maximal zwei Jahre gegeben haben, auch heute noch funktioniert und ein Ende kurzfristig noch nicht absehbar ist.

Aber Glück ist steigerbar, als ich mich heute durch den Videotext klicke, fällt mir eine Meldung auf, die lautet „Fans erleiden Kreislaufkollaps bei Autogrammstunde“. Da klicke ich halb gelangweilt hinein und lese

Bei einer Autogrammstunde von Teenie-Star Mike Singer (17) haben in Mönchengladbach mehrere junge Fans Kreislaufzusammenbrüche erlitten.

Nach Angaben der Feuerwehr kamen vier Besucher ins Krankenhaus, neun weitere wurden vor Ort vom Notarzt behandelt. Bei der Veranstaltung mit dem YouTube-Star in einem Einkaufszentrum hätten sich am Freitag rund 800 Besucher gedrängelt.

Die Polizei habe die Veranstaltung schließlich beendet, sagte eine Sprecherin am Samstag. Mike Singer steht derzeit mit „Karma“ an der Spitze der deutschen Albumcharts.

Mike wer? Spitze der deutschen Albumcharts?? Und ich beginne zufrieden zu lächeln, denn ich habe es endlich geschafft. Wenn heute jemand zu mir in den Laden gekommen wäre und hätte mich nach Mike Singer gefragt, hätte ihn fragend angeschaut und gesagt „Nie gehört!“. Und irgendwie ist es doch genau das, was ich damals machen wollte; einen Laden führen, in dem ich nicht wissen muss, wer die Charts anführt und der trotzdem läuft. Lange habe ich gedacht, so etwas geht nur in Großstädten, aber nach all den Jahren hab ich es jetzt doch in Bensheim geschafft.

Dieses Glücksgefühl wird nicht jeder nachvollziehen können, denn natürlich muss ich weiterhin hart für mein Geld arbeiten, so ein Plattenladen läuft nie von allein, aber verdammt, wenn mich nie jemand in der Musikgarage nach Mike Singer fragt, das ist für mich unbezahlbar.

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