09.11.2016

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Die Tür geht auf, ein eher kleines, leicht abgerissen wirkendes Männlein mit leicht gebräuntem Teint und Schnurrbart in einer leicht speckigen Lederjacke tritt ein und kommt zielstrebig auf mich zu. Wenn man wie ich ein Geschäft nun schon 24 Jahre betreibt, beginnt man zwangsläufig, eintretende Kunden blitzartig nach Sympathiewerten, Kaufbereitschaft und -kraft zu kategorisieren; dieser ist sympathiemäßig neutral und auf den ersten Blick schätze ich ihn mit seinem schnellen Schritt auf mich zu eventuell als Bittsteller vom Zirkus, vielleicht als jemand, der spontan eine bestimmte CD haben will oder auch nach einer CD, die er schon überall gesucht und nicht gefunden hat, fragen will, aber bestimmt nicht als potentiellen Vielkäufer ein. Ich schaue von meinem Computer auf und ihn gespannt an und frage: „Was kann ich helfen?“

Er gibt den Coolen und fragt bemüht lässig „Mal ’ne ganz blöde Frage: Kaufen Sie auch CDs an?“

In 24 Jahren im Geschäft habe ich zwar gelernt, dass es blöde Fragen wirklich gibt, diese gehört jetzt aber nur bedingt dazu, sie nervt allerdings, weil ich ja kein Second-Hand-Laden bin, weshalb die Frage dann auch ein bisschen blöd ist, denn es gibt keinerlei Grund anzunehmen, dass bei mir gebrauchte CDs gehandelt werden, auch wenn es eine Menge Trottel gibt, die das glauben.

„Neee!“ Ich gebe die Antwort auf diese Frage, die mir doch immer mal wieder gestellt wird, mit einem leichten Kopfschütteln und absoluter Bestimmtheit, damit auch nicht der Hauch eines Zweifels daran aufkommen können soll, dass es in der Musikgarage keine Second-Hand-CDs gibt.

Das Männlein scheint diese Antwort aber nicht erwartet zu haben, vielleicht muss ich künftig einfach noch deutlicher und länger den Kopf schütteln, denn er fragt mit einem Grinsen: „Ich mein‘, nehmen Sie CDs an?“

Nun könnte ich simpel noch einmal „Neeee!“, vielleicht mit leicht gervtem Unterton und Blick, antworten oder ziemlich unverschämt  „Welchen Teil von ‚Neee!‘ haben Sie denn nicht verstanden?“ fragen, denn es nervt mich einfach, wenn Leute in dem Punkt „Es gibt keine Second Hand-CDs in der Musikgarage“ begriffsstutzig sind. Aber ich bemühe mich an dieser Stelle dann meistens um ein wenig Subtilität, das regt die Leute im Allgemeinen nicht auf, aber gelegentlich wenigstens ein bisschen zum Denken an.

Hoffe ich zumindest, denn Leute, die glauben, die Musikgarage sei ein Second-Hand-Laden, denken definitiv nicht zu viel. Leider bleibe ich aber oft mit dem Gefühl zurück, dass die Pointe des folgenden Satzes ihr Ziel, ein Gehirn, einfach nicht erreicht:

„Also wissen Sie, ich finde ihre erste Frage war überhaupt nicht blöd!“

Dabei schaue ich dem Fragesteller mit einem Grinsen direkt ins Gesicht, erfreue mich an seinem abwartenden Gesichtsausdruck, sage aber nichts weiter. Bei manchen fällt der Groschen, bei diesem nicht; nach einer Pause, in der er lediglich realisiert, dass von mir nichts weiter kommt, meint er nur leicht irritiert

„Ja, fragen darf man ja, das wollte ich ja nur wissen!“

„Klar!“ antworte ich nur noch und „Tschüß“

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