An der Supermarktkasse (wieder)

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Und wieder einmal stand ich heute morgen kurz nach 9 Uhr an der Supermarktkasse, es ist sogar wieder der gleiche Discounter wie schon am 15.07. (regelmäßige Leser erinnern sich vielleicht), eine Reihe Leute stehen vor mir und die Warentrenner sind heute anscheinend knapp, in der Rinne befinden sich nur insgesamt drei Stück. Der junge Mann – oder vielleicht sogar noch ein Jugendlicher – zwei Positionen vor mir legt eine Tüte mit Backwaren aus dem Aufbackofen des Discounters und eine Plastikflasche Königpilsener auf das Band. Und zu meiner Belustigung legt er die Flasche natürlich so hin, dass sie bei jeder Bandbewegung nach hinten wegrollt, weshalb er sie ständig wieder nach vorne rollt. Die Warenseparatoren – ja, ich habe mir ein paar Synonyme für die Teile rausgesucht – sind für ihn noch unerreichbar. Zwischen uns steht ein älterer Herr mit Baseballkappe.

Von hinten kann man gut den Grund für diesen Kopfschutz sehen, unten stehen noch ein paar sehr unregelmäßige Haarbüschel, darüber sieht man noch schorfige, teilweise aufgekratzte Hautstellen durch die Lücke zwischen dem Feststellband und der Mütze. Er hat ebenfalls eine Tüte mit und eine Flasche Alkohol, die er auf das Band legt. In seinem Fall ist das aber eine 0,7er Flasche Wodka, aber er legt sie richtig parallel zur Laufrichtung des Bandes hin, so dass sie ruhig liegen bleibt, wenn das Band sich bewegt. Dazu kauft er noch eine BILD-Zeitung. O.k. ich würde das Blatt nicht als Zeitung bezeichnen, aber sie nennt sich nun mal so. Irgendwie deprimiert mich alleine diese kurze Betrachtung schon; wie gesagt, es ist neun Uhr morgens und wieder gewinne ich den Eindruck, dass die Menschen verdammt viele Probleme haben. Vielleicht sollte ich den Discounter wechseln, aber dieser ist nun mal der einzige in der Innenstadt verbliebene, in den ich gelegentlich morgens schnell mal reinspringen kann.

Der junge Mann wirft während er wieder seine Flasche nach vorne rollt auch einen Blick auf die Waren des älteren Herrn und ich wüsste gerne, ob und wenn ja was er dabei denkt, aber ganz sicher denkt er nicht, „Oh, dem seine Flasche rollt ja gar nicht ständig weg“, denn er rollt weiter seine Flasche regelmäßig nach vorne, bis er endlich einen Kundentrenner greifen kann und die Flasche damit arretiert.

Inzwischen kann auch ich meine Süßigkeiten und den Vanilledrink auf das Band legen, die Dame hinter mir hat nur zwei Sachen, die parkt sie erst mal auf der Umrandung  des Warenbandes. Vor mir geht es langsame weiter, erst platziert der junge Mann einen weiteren Warentrennstab vor seinen Waren, dann irgendwann der ältere Herr einen zwischen seinen und meinen Artikeln, obwohl ich natürlich eine deutliche Lücke gelassen habe. Die Dame hinter mir lässt inzwischen eine Lücke von fast einem Meter bevor sie endlich ihr Katzenfutter auf das Band legt.

Der junge Mann ist am bezahlen, das Backteilchen und das Bier kosten zusammen 83 Cent und da ist noch Pfand für die Plastikflasche dabei. Meine Depression nimmt zu, 83 Cent für ein Aufbackteil und ein 0,33er Bier inkl Pfand, wer kann davon leben, also welcher Hersteller / Produzent und auch welcher Konsument kann von so etwas leben und aus was kann das eigentlich hergestellt sein. Ich stelle mir vor, wie kleine Inder in einer indischen Brauerei schuften müssen und Billigbier herstellen. Und natürlich weiß ich, dass diese Vorstellung nicht stimmt, aber irgendwie so ähnlich muss es doch wohl sein.

Die Schokoriegel, die ich kaufe, weil sie im Sonderangebot sind, sind auch nicht wirklich gesund, darum kaufe ich Schokoriegel ja auch immer nur im Sonderangebot, aber ich bilde mir ein, dass bei dem Preis wenigstens die Inhaltsstoffe qualitativ halbwegs in Ordnung sind.

Dass weder der junge Mann noch der ältere Herr ihren Mund gegenüber der Kassierein aufkriegen, obwohl diese immer geradezu demonstrativ laut grüßt und „83 Cent, bitte“ sagt, ist nur noch eine Randnotiz, bevor ich mich, nachdem auch ich bezahlt habe, mich in leicht melancholischer Stimmung zu meinem Laden begebe und hoffe, dass ich von nun an positivere Menschen treffe.

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