18.07.2016

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Ich sollte das nicht veröffentlichen, aber es ist so schön mehrschichtig, ich muss es tun:

Ein Kunde – er ist mir bekannt und kommt schon seit vielen Jahren, wenn auch nicht sehr häufig und kauft auch immer mal was – kommt in den Laden und meint mit breitem Grinsen „Ich hätte gerne Obst“. Als ich ihn etwas verständnislos anschauen, fährt er fort „Ich will auch mal auf Facebook erwähnt werden“. Ich denke mir, „Na ja, Humor ist nicht gerade Deine Stärke, da hätte man sich ja mal was besseres einfallen lassen können“ und sage „Ach so, nein tut mir leid, so einfach ist das nicht! Außerdem hatte ich schon zu viel von dieser seltsame Fragen-Nummer, ich warte mal auf was Neues!“. Er grinst und meint, dass er meine Facebook-Beiträge immer saukomisch findet.

Aber er ist in der Hauptsache wegen einer CD da; er wollte mal fragen, ob ich ihm die besorgen könnte. Da er bisweilen auch ausgefallene Import sucht, wende ich mich dem Computer zu und er spricht weiter. „Ich suche da eine Japan-CD“ (soweit ist das eigentlich nicht ungewöhnlich) „und wollte mal sehen, ob Du die noch besorgen kannst“

Das Wort „noch“ lässt langjährige Leser sicher schon leicht schmunzeln und auch ich denke so halbbewusst während ich warte, wie’s weitergeht; „Das wir doch jetzt nicht noch ein Versuch, eine Erwähnung bei Facebook zu kriegen?!“

Er nennt mir dann einen obskuren Namen einer Pianistin, ich tippe ihn in die Suchmaske meiner deutschlandweiten Datenbank, aber da erscheint nichts. Während ich das Fenster zur Datenbank meines Importservices wechsle, fährt er fort „Ich hab da ja wenig Hoffnung, weil im Internet findet man die auch nicht mehr“ Ja, hier kriege ich leichte Zweifel, ob er wirklich so regelmäßig meine Beiträge liest, sonst wüsste er, dass diese Art Nachfragen nicht zu meinen Favoriten gehört. Aber da er ja wie erwähnt wenigstens auch zu den Kunden gehört, die ein-, zweimal im Jahr ein paar Euro hier lassen, mache ich pflichtbewusst weiter und erkläre ihm mit nur halbwegs unterdrücktem süffisantem Grinsen „Tut mir Leid, da finde ich sie auch nicht, da geht wohl nichts mehr“

„Ja , das hab ich schon befürchtet!“, meint er, „Die ist wie gesagt auch im Internet nicht mehr zu finden, ich hab halt gehofft, dass Du noch irgendwelche geheimen Quellen hast, wo man die vielleicht noch findet.“ Ich kann mein Grinsen wirklich nur noch schwer unterdrücken und denke „Hast Du ein Glück und irgendwie ist es schade, dass Du Facebook-Freund und gelegentlich auch zahlender Kunde bist, sonst hätte ich jetzt ein paar schöne Sprüche für Dich hier über Typen, die erst dann hier im unbequemen, weil langsamen und ach so teuren lokalen Handel einlaufen, wenn sie im Internet kein Erfolg hatten.“ Und ich bedauere gleichzeitig ein wenig, dass er ein Facebook-Freund ist, weil ich die Geschichte dann dort nicht veröffentlichen kann.

Nach ein paar weiteren Floskeln verabschiedet er sich. Und weil er ja ursprünglich eine Erwähnung gewünscht hat und auch nicht so regelmäßig mitzulesen scheint – meine Reaktion auf Sprüche wie, „Ich hab schon im Internet/ in anderen Läden gesucht und die CD nirgends gefunden“ ist regelmäßigen Lesern sicher bekannt – veröffentliche ich die kleine Anekdote einfach hier.

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