Ein paar ältere Facebook-Beiträge (2014)

Standard

13.01.2014:

Es wird ja gelegentlich von Seiten der Kundschaft die Kritik laut, dass diese ganzen Tassen in meinem Schaufenster zeigen würden, dass die treue Platten- und CD-Kundschaft hier nicht mehr so im Fokus stünde wie früher.

Seit eben eine ältere Dame reinkam und vollkommen ernst meinte „Ich hätte gerne einen leichten Tee!“ und die Frage auf mein nachfragendes „Was bitte?“ nochmal wiederholte, mache ich mir selbst auch ernsthaft Gedanken, dass die Leute einen falschen Eindruck von meinem Geschäft kriegen?!

 

07.02.2014:

Also entweder ist heute „schlechter Mundgeruch“ oder „Ich ess erst mal ’n Döner bevor ich in die Musikgarage geh“-Tag

 

17.02.2014:

So eine Kundin pro Woche sollte man ja mal rauswerfen: Ich hab das Wochenpensum mal gleich heute erfüllt, weil ich die Frage „Sie sind wohl nicht vom Fach?“ nur weil ich irgendeinen Countrysong „This was my first step“, den die Dame für Ihren Line-Dance-Tanzkurs brauchte, nicht kannte und die anschließend exerzierte Melodie zu einem „ganz bekannten Klavierstück“ als Beethovens Fünfte bezeichnete (das ist halt mal kein Klavierstück), etwas unangemessen fand.

 

04.03.2014:

Und die Frage des Tages:

„Ich hab nur mal ä Fraach“
(Ja, treue Leser wissen, das ist meine Lieblingsgesprächseröffnung; in 90% der Fällen ist’s nur Blödsinn, was da hinterherkommt)

„Meine Freundin arbeitet da beim Hessentag und kriegt ’ne Freikarte, kann man die verkaufen?“

Da muss ich erst mal lachen, aber so Typen lassen sich dann sogar von der Antwort „Gott, ist das schäbig“ nicht abschrecken und wissen auch nichts mit der Antwort „Man kann heutzutage doch wirklich alles verkaufen!“ anzufangen.

Darum frage ich mich immer noch, was er eigentlich hören wollte

 

06.03.2014:

Also langsam zweifle ich an dem Spruch „Es git keine dummen Fragen“

Der heutige Gegenbeweis:

„Ich hab mal ’ne Frage: Wenn ich mir eine Karte für das Seeed-Konzert kaufe gilt das dann nur für das Konzert oder für alle Veranstaltungen des Hessentags?“

 

06.03.2014:

Und dann muss ich noch vor’m zu Bett gehen lesen, wie ein lokale Musikveranstalterin es beklagt, dass Geschäfte schließen müssen, weil die Leute alles im Internet kaufen und erinnere mich daran, wie sie kurz vor Heilig Abend 2002 zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Geschäft stand, um eine CD zu kaufen, weil amazon die nicht mehr bis Weihnachten liefern konnte.

Aber ich gebe zu, ich lege auch keinen gesteigerten Wert auf ihre Kundschaft.

 

29.03.2014:

Ich hasse Leute, die mir dreimal widersprechen, wenn ich Ihnen nach einer Googlerecherche (die sie mitverfogen können) erkläre, es gibt keine von Marianne Rosenberg gesungene deutsche Version von „Jolene“. Und „Marleen“ wollte sie auch nicht

 

01.04.2014:

Ich frage mich gerade, ob Kunden (auch wenn sie regelmäßig ein bisschen Geld hier lassen) diese Scheibe

http://en.wikipedia.org/…/The_United_States_of_America_%28a…

ungestraft Gedudel nennen dürfen?!

 

05.04.2014:

ch brauch definitiv mehr Kunden von der Sorte, die CDs doppelt kaufen, weil sie eine für das Wochenendhaus / die Ferienwohnung / die Yacht oder was auch immer brauchen….

 

09.04.2014:

Der Laden wird nie langweilig;

Ein Kunde gibt mir seine Visitenkarte, damit ich ihn anrufen kann, wenn seine Bestellung da ist. Ich sehe, dass hintendrauf schon was handschriftlich geschrieben steht und drehe sie um:

„Ich würde Dich gerne kennenlernen!
Darf ich?“

Die braucht er dann doch für fremde Frauen und sucht dann lange, bis er eine ohne rückseitige Beschriftung findet.

War übrigens der gleiche Kunde, der mir mal eine Stunde lang von der Verschwörung der amerikanischen Juden erzählt hat (die älteren Leser erinnern sich vielleicht).

 

20.05.2014:

Der beste Plattenverkäufer ist der, der einer Kundin, die nach dem Lied von AC/DC mit dem Motorrad fragt, einfach „Born to be Wild“ vorspielt, und ihr so den Easy Rider-Soundtrack verkauft,

 

27.04.2014:

Ein mir bekannter Kunde (kauft so 3-4 CDs im Jahr) kommt rein und sagt:

„Ich wollt ja eine CD bestellen, da hab ich erst Ruf Records angeschrieben, nie mehr was gehört, dann hab ich bei JPC geguckt, die hatten die auch nicht, dann hab ich bei ebay geguckt und was seh ich da, die Musikbox hat die CD im Angebot und da hab ich gedacht, geh ich doch direkt da hin“

Also selten hatte jemand so Glück, dass er hier schon als Käufer aufgefallen ist, so musste er sich nur: „Also 4 Fettnäppfchen in 30 Sekunden, das muss Ihnen erst mal einer nachmachen“

 

25.07.2014:

Hat jemand gerade eine Stuhlprobe seiner Hundes/seiner Katze parat? Ich habe einen „Porto zahlt Empfänger“-Umschlag von deinbranchenbuch.de und da passt noch was rein.

Der Vertrag über 1188.- Euro im Jahr, den ich nach der Korrektur da rein packen sollte, ist allerdings zu groß

 

06.08.2014:

Und dann war da noch der Dämlack, der seine leere Zigarettenschachtel mitsamt Zellophan drum rum und Restkippen in meine Papiertonne geschmissen hat, weil ihm der Mülleimer 20 Meter weiter wohl zu weit war.

Dummer Weise hatte er im Zellophan noch 2 Euro Wechselgeld vergessen. Ich sag Danke!

 

19.08.2014:

Sympathieträger des Tages wird der Herr, der mich nach einem ordentlichen Gruß fragte, ob ich was von Black Rock da habe. Hab ich nicht, aber ich biete ihm an, zu schauen, ob ich’s ordern kann.

„Ja gerne, ich hab im Internet schon geschaut, da hab ich’s nirgends gefunden“
Kenner wissen, dass ich auf den Spruch für Laufkundschaft sowieso keinen Finger mehr rühre;
„Na dann macht’s auch wenig Sinn, dass ich suche“ mein ich nur.
„Ach schade, ich schau halt immer erst“ (!) „mal, ob ich’s vielleicht im lokalen Handel finde“

Merkt so jemand, was er da erzählt?

 

29.08.2014:

Der Klassiker:

Ein Bekannter hängt einige Zeit im Laden rum, er klagt über seinen Job, den Druck von oben, die Jammerei von unten, die Fahrerei, dass das Auto kaputt geht, die Überstunden, dass das eigentlich Scheiße bezahlt ist, die Gesundheit leidet und erlebt dabei, wie einige Leute CDs kaufen (Ja, das ist wirklich immer noch meine Haupttätigkeit, so lange die BEK und die AOK mich keine Beratungs- oder sogar Therapiegespräche abrechnen lassen), da meint er fast beiläufig:

„Eigentlich könnt ich ja auch so nen Laden aufmachern, das läuft ja echt gut und ist stressfrei, ganz anders wie der scheiß Bürojob “

 

09.09.2014:

Manchmal bin ich mir selbst unheimlich:

Ein Kunde erzählt:

„Ich war am Wochenende auf dem Flohmarkt in Lorsch, da hab ich einen Händler gefragt, ob er das Stück hat“ (Er sucht ein Musikstück aus einer Oper) „Der hat dann gesagt ‚Nein tut mir Leid, ich hab nur Schlager'“ (!) „‚Aber da müssen Sie nach Bensheim in die Garage gehen, der besorgt Ihnen das'“

Das mal für alle die, die immer behaupten, ich könne nicht mit Leuten umgehen!

 

10.09.2014:

Kunde:

„Mein Freundin hat mich heute morgen nach einer Sängerin gefragt, die hat ein neues Album rausgebracht und das soll schon überall ausverkauft sein und da hab ich gedacht, ich komm hier vorbei und frag mal, ob ich das viellecht hier noch kriege“

Ja, die alte Leier, werden regelmäßige Leser jetzt denken, aber lest weiter, der bringt’s noch besser: Ich hab eh nichts zu tun und es interessiert mich, was das für ein Megaseller ist, den ich bisher nicht mitgekriegt habe,also frag ich „Und wie heißt die Sängerin?“

„Also der Vorname ist irgendwie komisch, der nachname ist Aiko, A I K O“

Ich geb’s in den Rechner ein und der spukt ein aktuelles Album namens „Souled out“ aus

Er schaut drauf und meint ganz trocken, aber mit echter Übetrzeugung: „Oh Mann, ist die blöd, die hat gehört ‚Souled out‘ und gedacht, das ist ausverkauft“

Zur Erinnerung, er redet da von seiner Freundin. Ich steh tatsächlich ein bisschen sprachlos da; dass er sich mit dem üblichen „Da muss ich nochmal nachfragen“ ohne Bestellung verabschiedet hab ich ihm verziehen, ich weiß nicht, ob er die Mindest-Benimmanforderung erfüllt, um hier einzukaufen.

 

12.09.2014:

Der junge Mann, der hier in den letzten Wochen mehrfach mit Kommentaren aufgefallen ist, dass er das, was ich mache (Das Wort „arbeiten“ setzte er dabei in Anführungsstriche), auch könne und als Beweis freitags ein paar Stunden hier „Leute anpflaumen“ wollte, hat heute wegen des schlechten Wetters abgesagt.

Also wenn’s da dran schon scheitert……

Aber ich sehe den Tag kommen, an dem ich mehr mit der Vermietung meines Arbeitsplatzes verdiene, als mit dem Verkauf von Tonträgern….

 

02.10.2014:

Kunde: „Ich hab mal eine Frage an den Fachmann“
Ich: „Da bin ich ja gespannt“
Kunde: “ Gibt’s auch so CDs mit Oktoberfestmusik!“
Ich muss mich erst kurz sammeln, dann: „Sowas gibt es sicher, aber nicht hier und ganz ehrlich, dafür brauchen Sie keinen Fachmann!“

Der Spagat zwischen Anspruchshaltung und Dientsleitungseinstellung ist verdammt schwer….

 

07.10.2014:

Wenn Leute, die ich schon lange Jahre kenne, weil sie immer mal wieder hier reinkommen, aber seltenst was kaufen, mit dem Spruch einlaufen „Ich hab’s schon in der Musikbox versucht, die haben das nicht gekriegt, aber vielleicht können Sie mir das besorgen“, dann habe ich meine Botschaft einfach noch nicht deutlich genug gemacht.

 

03.12.2014:

I Love it:

„Guten Tag, Chef,hab ich eine Frage“
Ich schaue entspannt und sage.“Ja, bitte“
„Ich denke haben Sie Ahnung von DVD?“ Er spricht es dabei ganz klassisch Dä Vau Däh“ aus und schaut mich dann fragend an. Ich bin sicher, das ist noch nicht die eigentliche Frage und will es auch nicht zu derb bringen, also meine ich weiterhin höflich „Ja, fragen sie halt einfach!“

„Sehen sie, habe ich vor zwei Jahren gekauft eine Dä Vau Däh bei Media Markt“ Da grinse ich dann schon. Er macht eine Handbewegeung die andeutet, dass er wohl einen DVD-Player meint, aber es kommt nicht weiter.

Ich grinse, was er als freundlich auffassen könnte, und frage mal dazwischen „Was haben Sie gekauft, eine DVD oder einen DVD-Player“

„Eine Dä vau Däh“ und dazu wieder die Handbewegung. Ich schaue weiterhin freundlich, aber insisitiere.
„Ja was nun, einen Film oder ein Gerät zum Abspielen, einen DVD-Player?“
„Ja, für Film!“
„Einen Film oder eine Gerät zum Abspielen, einen DVD-Player?“
„Eine Dä Vau Däh.Player!“ na endlich
„Ja und?“ will ich jetzt wissen
„Hat mir meine Tochter geschickt eine, äh“ er schaut und nimmt eine CD vom Stapel auf meiner Theke, klappt sie auf, da ist nichts drin, also nimmt er eine imaginäre CD aus der Schachtel und während er „ich habe getan in Player und zeigt ’nix disc‘ “ spricht, schiebt er die imaginäre disc in den imaginären Player, worauf er mich wieder fragend anschaut. Ok. ich hab eigentlich zu tun, darum mache ich es kurz mit ihm und sage:

„Ja tut mir Leid, aber da müssen Sie beim Media Markt nachfragen“
„Ich habe gedacht, haben Sie Ahnung von Cä Däh un Dä Vau Däh“
„Na ja, schon ein bisschen, aber nicht von den Geräten und ich bin halt auch nicht die Servicestelle vom Media Markt“

Er geht nicht wirklich befriedigt ab, aber ich weiß auch nicht wie ich ihm helfen hätte können.

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