09.06.2016

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Der Kunde des Tages war ein älterer Herr, ich kenn ihn vom Schach und er wirkt auch dort immer recht abwesend. Hier im Laden war er nach meiner Erinnerung noch nie, aber heute steht er vor meiner Theke und wartet. Ich frage ihn, „Kann ich Ihnen was helfen?“, aber er reagiert nicht, vielleicht überlegt er gerade, woher er mich eigentlich kennt.

Erst als ich ihn nochmal frage, antwortet er „Was haben Sie denn von den Bee Gees“ Das ist einfach, denke ich, denn da habe ich ja noch immer von dieser supergünstigen „Best of“-DoCD welche da, die halte ich ihm Sekunden später auch unter die Nase, erkläre ihm, dass da alle Hits drauf sind, er nimmt sie unter die Lupe und erklärt nach etwa zwei Minuten – in denen ich mich anderen Aufgaben gewidmet habe – dass das nicht das sei, wonach er gesucht hätte, weil da ja nicht alle Hits drauf wären. Da sein Tonfall etwas unwirsch ist, reagiere ich auch nicht im allerfreundlichsten Ton und frage „Wie jetzt, echt?“ und nach einer Pause „Was soll denn da fehlen?“, darauf er „Na, zum Beispiel ‚The Boxer'“

Ich beherrsche mich wirklich und erkläre irgendwo recht freundlich – weil das ja passieren kann – „Das sind aber Simon & Garfunkel“ worauf er spontan und völlig emotionslos „Ja, die mein ich ja auch“ erwidert.  Ich schlucke und erkläre, „Na, da hab ich auch eine Zusammenstellung“, laufe wieder zum Regal, gebe ihm wieder eine Doppel-CD in die Hand, er prüft wieder minutenlang und kommt wieder mit dem Spruch „Das ist nicht das, was ich suchte, da fehlen ein paar Hits“

Da kann ich jetzt gar nicht sagen, was da wirklich in mir vorging, ob ich schlicht mit meinem Latein am Ende war, denn Simon & Garfunkel haben im Gegensatz zu den Bee Gees ja einen recht überschaubaren Katalog von Liedern, oder ob ich langsam glaubte, der will mich verarschen, aber ich frage erneut und irgendwie unwirsch aber noch mit einer Spur unverbindlichster Restfreundlichkeit „Wie jetzt, echt?“ und „Was fehlt denn da wieder?“

Er ist aber immer noch nicht angepisst und erklärt „Mein Bekannter sucht…“ Da denke ich schon, ach ja, ein Bekannter sucht das, da kommt dann als nächstes natürlich der Spruch „Da muss ich aber nochmal nachfragen“ und ich hake die Sache bereits ab, bevor er den Satz mit „… irgendwas mit Mining Disaster“

Innerlich schlage ich mir – oder doch ihm? –  die flache Hand an die Stirn und erkläre etwas lauter als nötig „Das sind dann aber die Bee Gees“ Er bleibt immer noch ungerührt, während ich wieder die Bee Gees-CD in die Hand nehme und ihm den Titel in der Trackliste zeige.

Ja und dann kauft er die CD, will sie nicht einmal eingepackt haben und ich bin einfach platt, denn mit einem Kauf habe ich definitiv nicht mehr gerechnet.Manchmal lohnt es sich vielleicht doch, geduldig und halbwegs freundlich zu bleiben, ich muss das mal beobachten

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